Die Delegierten und der Vorstand der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie haben sich am 21. März 2019 zur Frühjahrssitzung in Freiburg getroffen. Eröffnet wurde diese durch ein interessantes Referat von Edith Steiner von der Vereinigung Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz Aefu, zum Thema «Gesundheitsrisiken der Smartphonenutzung bei Kindern und Jugendlichen».

Am Beispiel Blaulicht zeigt Edith Steiner die Arbeit bzw. die Anliegen der Aefu auf. Alle heutigen LED-Bildschirme haben einen grossen Anteil an Blaulicht, das erwiesenermassen die Freisetzung von Melatonin hemmt. Die abendliche Nutzung von Smartphone und/oder das Geweckt werden durch das Smartphone wirkt sich klar negativ auf das Einschlafen und die Schlafqualität aus. Schlafhygienische Massnahmen sollen nicht erst bei denjenigen Kindern empfohlen werden, die wegen Problemen in die Praxis kommen. Die Aefu, eine 1987 gegründete Umweltschutzorganisation (ungefähr 1200 Humanmediziner, Zahnärzte und Tierärzte), verfolgt aktiv den Wissensstand, informiert, sensibilisiert und bringt sich wo nötig in die Politik ein. Im Rahmen von Information soll den Kindern mitgeben werden, wie sie die Medien strahlenreduziert nutzen können. Edith Steiner selber kommt aus der Arbeitsgruppe Physik der Aefu und möchte mit ihrem Besuch im Delegiertenpool deren Anliegen den Kinderärzten weitergeben.

Die anschliessende Diskussion dreht sich um die Themen «Wechsel von 4G zu 5G», obligatorische Nutzung von elektronischen Geräten in der Schule und diesbezügliche – oft fehlende – Konzepte sowie Dauernutzung von Smartphones bei Eltern und die Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes.

Für alle Interessierten haben die Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz eine Dokumentation «Kind-Umwelt-Gesundheit» herausgegeben und auf der Internetseite der Aefu veröffentlicht, www.aefu.ch

Auf Einladung des Präsidenten Philipp Jenny berichtet Dorit Hoffmann, SGP und Gynea, über die gemachten Erfahrungen in der Überarbeitung der Leitlinien genitale Fehlbildungen. Sie wurde von der SGP in die internationale Expertengruppe (Deutschland, Österreich, Schweiz, Vertreter aus zahlreichen Organisationen) mandatiert. Der Erfahrungsbericht ist insbesondere interessant, als dass in früheren Jahren im Delegiertenpool über die Erarbeitung von Leitlinien im Sinne von Choosing wisely diskutiert worden ist. Dorit Hoffmann erläutert die Einteilung der Leitlinie in die Kategorie S2k (konsensbasiert), was bedeutet, dass jede Formulierung im Rahmen einer strukturierten Konsensfindung unter neutraler Moderation diskutiert und abgestimmt wird. Es war nicht immer einfach, den Konsens auch zu finden; am Schluss haben es alle Statements auf ein +++ geschafft. Das fertige Werk umfasst 163 Seiten und wird kaum im Detail gelesen werden, zumal 98% den Kinderarzt in der Praxis nicht betreffen. Für den Praktiker wäre eine kurze Zusammenfassung hilfreich. Abschliessend beurteilt Dorit Hoffmann ihre Mitarbeit in diesem Mammutprojekt als bereichernd, wenn auch manchmal nervenaufreibend. Philipp Jenny ist überzeugt, dass dieser interessante Beitrag auch die Frage beantwortet, wieso die SGP keine Leitlinien herausgibt. Nicole Pellaud ergänzt mit der Rolle der SGP: Die SGP ist keine Akademie, sondern eine Berufsorganisation.

Im September 2017 ist im Delegiertenpool der Startschuss zur gemeinsamen Arbeitsgruppe «Berufsbild Kinder- und Jugendarzt» von SGP und Kinderärzte Schweiz erfolgt, nachdem beide Organisationen einiges an Vorarbeit geleistet hatten. Der Präsident der Arbeitsgruppe, Andreas Geiser, präsentiert heute mit Stolz die gedruckte Broschüre in drei Sprachen. Er knüpft an das Votum der Vorrednerin an, auch diese Arbeitsgruppe hat gerungen, angefangen beim Titel. Für die deutsche Broschüre hat man sich auf die Bezeichnung «Kinder- und Jugendarzt» geeinigt, der Zusatz «Jugendarzt» hat sich auf Französisch und Italienisch nicht aufgedrängt. Im Titel wurde aus grafischen Gründen auf die weibliche Berufsbezeichnung verzichtet, im gesamten Text hingegen mehrheitlich die weibliche Form verwendet. Andreas Geiser hält abschliessend fest, dass mit dem vorliegenden Text eine erste Version geschaffen ist, die nicht nur diskutiert werden kann, sondern muss. Er appelliert an alle, die Broschüre unter die Leute zu bringen. Auf den Druck der Kurzversion wurde verzichtet, diese steht auf den Internetseiten von SGP und KIS zur Verfügung (wie auch die Vollversion).

Nicole Jundt Herman, Mitglied der Redaktion und des SGP-Vorstands, stellt die neue Paediatrica vor. Anfangs März konnte die neue Internetseite, https://paediatrica.swiss-paediatrics.org/ in Betrieb genommen werden, womit der Startschuss für die digitale Paediatrica gefallen ist. Rechtzeitig zum dreissigjährigen Jubiläum der Zeitschrift wurde so der Schritt in die digitale Zukunft gemacht, die gedruckten Themenhefte in bewährter Manier werden beibehalten. Ziel ist die Einteilung und klare Trennung der Inhalte, die reaktive aktuelle Kommunikation, die Interaktivität mit den Lesern und die Vereinfachung der Redaktionsabläufe. Angestrebt werden kürzere Fristen zwischen Einreichung eines Artikels und der Publikation (realistisch 4 bis 6 Wochen). Nach wie vor läuft die Suche nach einem Chefredaktor, ebenso werden zur Ergänzung/Unterstützung der Redaktion Mitglieder in den neu geschaffenen Fachbeirat gesucht. Alle Spezialistengruppen sind gebeten, ihre Vertreter zu delegieren.

Im Verlauf der Arbeit hat sich herauskristallisiert, dass es mit der neuen Paediatrica nicht getan ist. Der Vorstand wird im Herbst eine Klausurtagung zum Thema Kommunikation durchführen und befragt im Vorfeld die SGP Mitglieder.

Philipp Jenny ruft nochmals zur aktiven Mitwirkung bei der Unterschriftensammlung zur Tabakinitiative auf. Noch ist das Ziel nicht erreicht, es braucht die Unterstützung aller.

Aus dem Vorstand berichtet Gian Paolo Ramelli und weist dabei auf das Gesundheitsheft hin. Ab 2020 wird das überarbeitete, gedruckte Heft in Umlauf kommen. Die übernächste Generation, das digitalisierte Gesundheitsheft, muss jetzt angedacht werden. Die Projektgruppe unter der Leitung von Susanne Stronski und Julia Dratva hat ein Finanzierungsgesuch bei Gesundheitsförderung Schweiz eingereicht. Ende Mai fällt der Vorentscheid, ob das Projekt in die nächste Runde gehen kann.

Die Arbeitsgruppe smarter medicine/choosing wisely unter der Leitung des SGP-Qualitätsdelegierten Dominique Gut und der EAP-Delegierten Corinne Wyder ist aktiv am Sammeln von Unterlagen. Mit ersten Ergebnissen ist ca. in einem Jahr zu rechnen. Choosing wisely ist demnächst am Jahreskongress der SGP ein Thema.

Der Delegiertenpool wird sich ausnahmsweise erst wieder im kommenden Frühling treffen. Die ursprünglich auf den 26. September 2019 angesetzte Sitzung wird zugunsten des zeitgleich stattfindenden Jubiläumssymposium von Haus- und Kinderärzte Schweiz mfe ersatzlos gestrichen. Das Datum der Frühjahrssitzung 2020 wird rechtzeitig kommuniziert.