„Kind im Zentrum“ steht auf dem Praxisschild des Empfängers des Guido Fanconi Gedenkpreises 2017. Sepp Holtz ist als Lehrarzt in Spital und Praxis tätig und hat über all die Jahrzehnte dieses Credo nie aus den Augen verloren. Dieses ist zentral für unser Selbstverständnis als Kinderärzte. Doch wie verstehen wir uns als Ärzte mit dem Titel Kinder- und Jugendmedizin? In einer gemeinsamen Arbeitsgruppe von KIS und SGP haben wir in den letzten zwei Jahren unser Berufsbild aktualisiert und neu formuliert.

Das von den Führungsgremien von SGP und KIS verabschiedete Berufsbild Kinder- und Jugendarzt kann – ja muss – bezüglich Formulierung auch künftig weiter diskutiert werden. Jenseits von Formulierungsfragen sind darin eine Definition und ein Rollenbild des Pädiaters in Spital und Praxis dargelegt, welche die Basis bilden für eine solide, umfassende, modulierbare und begeisternde Weiterbildung.

Ein Ziel ist es, die Fachrichtung bekannt und sichtbar zu machen und deren Attraktivität zu erhöhen, um dadurch den notwendigen Nachwuchs in den Praxen und im Spital zu gewährleisten.
Mindestens so wichtig ist die Kommunikation unserer Bedeutung als Praxispädiater und Allgemeinpädiater im Spital gegenüber den lokalen und regionalen politischen Kräften.

Kritische Rückmeldungen gehören zu einem Projekt dieser Art. „Weder innovativ noch konservativ“ werden einige griesgrämige „Mäsötteler“ sagen. „Ein unscharfes Profil des Kinderarztes“ werden manche erfahrene Kollegen in der Praxis mit festgelegten Vorstellungen versichern. “Zu viele Zugeständnisse an die Praxispädiater“ mögen einige Hochschullehrer denken. „Im Endeffekt ein guter helvetischer Kompromiss“ werden die Pragmatiker – so wie auch die Mitstreiter in der Arbeitsgruppe – schlussfolgern.

Vielleicht keine beträchtliche Weiterentwicklung, aber eine Überzeugung, mit der notwendigen Erinnerung an grundlegende Werte: Ein Kind, ein Mensch, eine Person muss ein Individuum in seiner Ganzheitlichkeit bleiben; er darf nicht auf seine Krankheiten reduziert werden und ist unendlich viel mehr als die Summe seiner Organe.
In einem sich wandelnden Gesundheitssystem müssen unsere unabdingbaren Werte gegenüber der Politik unbedingt bekräftigt werden. Deshalb ist ein Berufsbild unverzichtbar. Es erlaubt uns, die Grundlagen der Pädiatrie erneut zu definieren, ihren Sinn gegenüber den Gesundheitspolitikern zu betonen, um unsere zentrale Rolle als Grundversorger und gleichzeitig Spezialisten für alle Belange der Kinder- und Jugendmedizin auch über das Gesundheitswesen hinaus zu präzisieren.  Damit gestalten wir unseren Beruf für die kommenden Generationen faszinierend und motivierend.

Bei all diesen Überlegungen bleibt das „Kind im Zentrum“. Die Liebe zum Menschen und die Bereitschaft zuzuhören, müssen wir bewahren. Das darf sich nicht ändern. Dafür sind wir verantwortlich.

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Die Mitglieder der SGP werden eine gedruckte Broschüre als Beilage zu Paediatrica Nr. 1/2019 erhalten. Weitere Exemplare können bei der Geschäftsstelle bestellt werden: secretariat@swiss-paediatrics.org