Was gibt es Neues in der Entwicklungspädiatrie? In der aktuellen Ausgabe der Paediatrica werden verschiedene entwicklungspädiatrische Themen vorgestellt, die in der Klinik oder Praxis zunehmend an Bedeutung gewinnen, weil sie häufiger werden oder vermehrt in den Fokus geraten. Dazu gehören Themen wie der Umgang mit digitalen Medien, Schlafstörungen bei Jugendlichen oder der Einsatz von Hypnose in der kinderärztlichen Praxis. Zudem auch Themen bei denen sich neue therapeutische Aspekte und Vorgehensweisen ergeben haben. Dazu gehören neue Therapieansätze für junge Kinder mit Autismusspektrumstörung, therapeutische Vorgehensweisen bei einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, und nicht zuletzt Überlegungen zur Rolle der Kinderärztin oder des Kinderarztes in der Indikation und Koordination frühkindlicher Interventionen.

Das Thema ADHS beschäftigt alle Kinderärztinnen und Kinderärzte weiterhin in einem hohen Masse. Die Autoren Ramon Möller und Mark Brotzmann beleuchten dieses Thema indem sie einen Dialog zwischen Praxis (Möller) und Zentrum (Brotzmann) führen und zu den von Peter Weber gestellten Fragen der Zuweisung, Diagnostik, Interdisziplinarität, Komorbidität, Therapieempfehlungen, Prognose und kulturelle Aspekte aus jeweils ihrer Sicht Stellung nehmen.

Was macht es aus, dass sich Kinder positiv entwickeln? Besonders dann, wenn sie unter ungünstigen Umständen heranwachsen? Im Artikel von Oskar Jenni und Susanne Ritter «Verletzlich und trotzdem stark: Risiko- und Schutzfaktoren der kindlichen Entwicklung» wird auf dieses wichtige Thema eingegangen. Der Artikel fasst das aktuelle Wissen rund um Risiko- und Schutzfaktoren für die kindliche Entwicklung zusammen und erläutert diese anhand von drei eindrücklichen Fallvignetten.

Digitale Medien und Kinder, ein aktuelles Thema, das niemanden kalt lässt. Politik und Bildung interessieren sich für dieses Thema und alle wissen Bescheid! In dieser Situation ist eine fundierte Betrachtung dieses Themas äusserst wichtig. Daniel Süss plädiert in seinem Artikel für einen differenzierten Umgang mit digitalen Medien und fordert uns auf, eine ganzheitliche Betrachtungsweise einzunehmen. Er beschreibt alltagstaugliche Ideen, wie man als Familie mit Kindern einen «medienkompetenten» Alltag kindzentriert gestalten kann. Hilfreiche Links runden diesen aktuellen Artikel ab.

Pädiatrische Hypnose ist ein Behandlungskonzept, das in der pädiatrischen Praxis zunehmend eingesetzt wird. Camilla Ceppi erklärt in ihrem spannenden Artikel wie die Fähigkeit von Kindern, sich in eine natürliche Trance versetzen zu können, für hypnotische Kurzinterventionen sowie in der hypnotherapeutischen Sprechstunde eingesetzt werden kann. Camilla Ceppi erläutert dies mit spannenden, alltagesrelevanten Beispielen und gibt nützliche Hinweise zu Ausbildungsmöglichkeiten in Hypnose.

Als Pädiaterin oder Pädiater ist man mit grosser Wahrscheinlichkeit mit dem Thema Schlafstörungen beim Säugling und Kleinkind konfrontiert. Zu dieser Alterskategorie verfügen wir in der Regel über ein fundiertes Wissen und sind in der Beratung geübt. Schlafstörungen bei Jugendlichen kommen fast ebenso häufig vor, aber der theoretische Hintergrund und diesbezügliche Behandlungskonzepte sind uns weit weniger geläufig. Der Artikel von Rabia Liamlahi, Martina Hug und Caroline Benz füllt diese Wissenslücke und stellt ein stufenweises Behandlungskonzept vor, das gut in der Praxis umgesetzt werden kann.

Das Thema «Autismus-Spektrum-Störung» wurde in Paediatrica 28/2 (April 2017) mit sechs Beiträgen ausführlich behandelt. Aus diesem Grund fokussiert Christina Schaefer in ihrem Artikel auf die aktuelle Datenlage zur Früherfassung in der pädiatrischen Praxis und erläutert entwicklungsbasierte Behandlungskonzepte, als eine mögliche Alternative zu verhaltenstherapeutischen Ansätzen. Dabei erläutert sie, dass entwicklungsorientierte Massnahmen die Eltern besonders stark als aktive Partner einbeziehen und somit zur wachsenden Anzahl von vielversprechenden «parent-centered» Therapien gehören.

Die Indikation, Auswahl und Koordination entwicklungsfördernder Angebote und Therapien für Kinder mit Entwicklungsauffälligkeiten kann herausfordernd sein. Die Kinderärztin nimmt in diesem Prozess eine Schlüsselrolle ein. Monika von der Heiden zeigt zusammen mit Raphaela Iffländer und Michael von Rhein in ihrem Artikel auf, welche Betreuungsangebote für welche Kinder und Familiensettings sinnvoll sind. Dabei betont sie die Wichtigkeit der regionalen und interprofessionellen Vernetzung.

Zum Abschluss dieser Ausgabe finden Sie eine Stellungnahme von Daniel Brandeis, Reto Huber, Susanne Walitza und Oskar Jenni zu Biomarkern in der Diagnostik der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Was sind denn sinnvolle und weniger sinnvolle Abklärungsmethoden in der ADHS Diagnostik? Diese gemeinsame Stellungnahme der Schweizerischen Gesellschaften für Pädiatrie (SGP) und Kinder- und Jugendpsychiatrie und -Psychotherapie (SGKJPP) fügt sich sehr gut in das vorliegende Themenheft ein.

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen und neue Erkenntnisse beim Lesen der spannenden Artikel. Den Autorinnen und Autoren danke ich für ihre wertvollen Beiträge.

Mit freundlichen Grüssen

Bea Latal