Diese und ähnliche Schlagzeilen sind in den Medien omnipräsent. Der Trend der ständig zunehmenden Patientenzahlen bricht auch in den Kindernotfallstationen nicht ab.

Auf Grund dieser Problematik haben sich vor mehr als 10 Jahren Notfallpflegende und Notfallärztinnen und -ärzte von Kindernotfallstationen zusammengetan, um eine «Arbeitsgruppe Triage» zu gründen. Diese multiprofessionelle Gruppe setzte sich damals zum Ziel, in den Kindernotfallstationen ein einheitlich standardisiertes Triagesystem einzuführen, um sicherzustellen, dass Kindernotfälle nach der medizinischen Dringlichkeit «sortiert» werden. Nebst der Thematik der Triagierung kristallisierten sich in den Diskussionen zunehmend weitere aktuelle Themen heraus, welche in allen Kindernotfallstationen der Schweiz zusätzlich im Fokus standen. Im Jahre 2010 wurde deshalb die Gesellschaft PEMS – Pediatric Emergency Medicine Switzerland (www.pems.ch) – gegründet, in welcher mittlerweile fast alle Kindernotfallstationen der Schweiz als Mitglieder registriert sind.

Eines der wichtigsten Ziele der PEMS war es, einen Schwerpunkt für Kindernotfallmedizin in der Schweiz zu etablieren, so wie dies in den meisten europäischen Ländern, in Amerika, Canada und Australien schon lange der Fall ist. Viele von uns haben noch erlebt, wie früher die jüngsten Assistenzärztinnen und -ärzte jeweils auf die Notfallstationen geschickt wurden. Mehrfach waren die zuständigen Kaderärztinnen und -ärzte nicht vor Ort und meist nur telefonisch erreichbar. Dies führte oftmals zu einer suboptimalen Betreuung der Patienten und deren Eltern, sowie zu einer Überforderung der Assistierenden.

Seit dem 01.01.2014 ist der Schwerpunkt für Kindernotfallmedizin anerkannt und nicht mehr wegzudenken. Während des zwei Jahre dauernden Weiterbildungsprogrammes erlernen die Kinderärztinnen und -ärzte resp. die Kinderchirurginnen und -chirurgen – es ist ein Schwerpunkt beider Fachrichtungen – auf einer interdisziplinären Notfallstation das «Handwerk der Nofallmedizinerin/des Notfallmediziners». Dabei geht es nicht nur um das Erkennen und Behandeln von schwerkranken Kindern, wie beispielsweise die Fragestellung: Welches Kind mit Fieber hat eine Sepsis, welches eine virale Infektion (Das Kind mit Fieber: Wie messen? Wie handeln? Wie beraten? / Michelle Seiler et al.), welche Fraktur benötigt nur eine Ruhigstellung, welche eine kinderchirurgische Behandlung (Frakturbehandlung – ein Leitfaden für die Praxis / A. Bartenstein et al.), sondern auch um das Erlernen von explizit kindernotfallmedizinischen Skills einer interdisziplinären Notfallstation wie z.B. die der Analgosedation oder Reanimation im Schockraum.

Die Paediatrica gibt uns die Möglichkeit in dieser Ausgabe auf die diversen Aspekte der klinischen Kindernotfallmedizin einzugehen.

In notfallmedizinischen Fachzeitschriften findet man im Zusammenhang mit überfüllten Notfallstationen häufig die Schlagworte «Input, Throughput und Output».
Der «Input» kann oftmals nicht von den Spitälern allein gesteuert werden, sondern ist von den regionalen Angeboten der Notfalldienste sowie von der Tageszeit abhängig. Der «Output» ist insbesondere von der Zusammenarbeit mit den nachgelagerten Bettenstationen abhängig. Der «Throughput», das heisst die Verweildauer der Kinder auf den Notfallstationen, ist dagegen sehr wohl abhängig von der internen Organisation, jedoch auch von den Schnittstellen innerhalb des Spitals. Wichtige Faktoren sind hier die Fähigkeiten der Notfallmediziner hoch zu halten, so dass zum Beispiel Analgosedationen (Prozedurale Sedierung und Analgesie auf der pädiatrischen Notfallstation: Wo stehen wir? Wie geht es weiter? / C. Sahyoun) selbst durchgeführt werden können. Genauso wichtig ist es, die Schnittstellen zu anderen Gebieten möglichst gut zu organisieren. Das momentan aktuellste diesbezügliche Thema dürfte wohl der Einsatz von Sonographie-Geräten (Point-of-Care Ultrasound in Pediatrics: Are we ready? / S.Fontana et al.) sein. Zudem ist es wichtig, die eigenen Ressourcen richtig und gezielt einzusetzen. Eine der entscheidenden Ressourcen für einen optimierten «Throughput» stellen die Pflegenden dar. Bei den ständig zunehmenden Patientenzahlen müssen wir sicherstellen, dass die schwer kranken und verletzten Kinder weiterhin eine optimale Betreuung sowohl von ärztlicher, als auch von pflegerischer Seite bekommen und die weniger dringlichen Notfälle separat betreut werden. Die Rolle der Pflegenden (Neue Horizonte in der pädiatrischen Notfallpflege / F. Hermann Marina) und die Teamarbeit verändern sich mit den Anforderungen.

Um diesen Aspekten auch aus berufs- und bildungspolitischer Sicht Rechnung zu tragen ist es im Jahre 2017 gelungen, die pädiatrischen Notfallpflegenden und die Kindernotfallärztinnen und -ärzte in einer gemeinsamen Fachgesellschaft, der PEMS, zu vereinigen. Interprofessionell wollen wir sowohl die Weiterbildung der Ärztinnen und Ärzte als auch jene der Pflegenden weiterentwickeln. Dazu gehört es, die Mitarbeitenden der Notfallstation für die Betreuung der schwerstkranken und verletzten Kinder weiterzubilden und fit zu halten, beispielsweise durch gemeinsame Simulationsübungen (Simulation in der Kindernotfallmedizin / I. Pegiazoglou) und interprofessionelle Weiterbildungen.

Die fachlich kompetente Triagierung der Kinder durch die Notfallpflegenden ist implementiert. Die «multiprofessionelle Triage» bezüglich dem Einsatz der personellen und materiellen Ressourcen für eine optimale Betreuung der Kinder und deren Angehörigen ist jedoch ein laufender Prozess in allen Kindernotfallstationen.

Nur durch die interprofessionelle Zusammenarbeit in den Spitälern und Kooperation mit den niedergelassenen Kinderärztinnen und -ärzten werden wir in Zukunft die stetig steigenden Patientenzahlen und Herausforderungen in der Notfallmedizin meistern können.

Im Namen der PEMS wünschen wir Ihnen viel Freude beim Durchlesen der Beiträge aus der «Welt» der Kindernotfallmedizin.

Die beiden CO-Präsidenten
Georg Staubli und Petra Valk-Zwickl