Ambulanter Tarif 2018
Ein Jahr nach Inkrafttreten am 1.1.2018 des durch den Bundesrat revidierten Tarifs (1.09_BR), mit dem Zweck die Kosten zu senken, ist die Zeit gekommen, Bilanz zu ziehen.
Viele Fragen kamen von Seiten der Kinderärzte anfangs des Jahres, weniger in der Folge. Es fanden Kurse zum neuen Tarif statt und auf der SGP-Webseite wurden Verrechnungsmodelle publiziert.
Die hauptsächlichsten von den Pädiatern angetroffenen und der SGP mitgeteilten Probleme betrafen die Limitationen gewisser Leistungen (3- oder 6-monatlich), im Tarif nicht vorgesehene Leistungen (insbesondere E-Mails), sowie gewisse Patientenkategorien (z.B. Kinder im Schulalter mit Lernschwierigkeiten). Die nicht-Vergütung der Vorbeugeuntersuchungen nach dem 5-Jahre-Checkup verbleibt ein immer wiederkehrendes Problem, obwohl die entsprechenden Leistungen im Vergleich zum früheren Tarif nicht geändert haben.
Bei Problemen mit der Verrechnung an Krankenkassen oder Anwendung der Limitationen, ist es wichtig, diese weiterhin dem SGP-Sekretariat oder der FMH (tarife.ambulant@fmh.ch) zu melden.
Letztlich wurden der SGP und der FMH nur wenige Streitfälle mit Versicherern gemeldet, insbesondere weil die meisten Ärzte es vorzogen, ihre Leistungen anders zu verrechnen anstatt die Diskussion mit den Versicherern aufzunehmen.
Gemäss den im ersten Halbjahr durchgeführten Statistiken von Newindex SA, Ärztekasse und TrustX Management SA scheinen die Kosten im ambulanten Bereich mit denen der Vorjahre vergleichbar.
Die Anzahl Konsultationen der Kinderärzte haben leicht zugenommen, wobei sich die Art und Weise gewisse Leistungen zu verrechnen verändert hat. Es wurde keine Zunahme der Leistungen in Abwesenheit des Patienten, der Vorsorgeuntersuchungen und der meisten pädiatrischen Leistungen festgestellt. Die sich im Besitze der SGP befindenden Details dazu verbleiben vertraulich.

Neue Massnahmen des BAG zur Dämpfung der Gesundheitskosten
Das BAG hat ein erstes Massnahmenpaket zur Dämpfung der Gesundheitskosten ausgearbeitet. Diese Massnahmen bestehen in der Umsetzung einer nationalen Tariforganisation, im Einführen eines Experimentierartikels zur Förderung innovativer Pilotprojekte ausserhalb des KVG-Rahmens, von Referenzpreisen für Medikamente, von Massnahmen zur Begrenzung der Anzahl „ungerechtfertigter“ Leistungen und der Kosten, einer Rechnungskontrolle, von Pauschalen im ambulanten Bereich, usw.
Das Massnahmenpaket wurde bis 14.12.2018 in die Vernehmlassung geschickt, von der SGP geprüft und gemeinsam mit mfe (Haus- und Kinderärzte Schweiz) beantwortet.

Pressespiegel: Die Polemik zum Ärzteeinkommen
SGP und mfe haben sich an den Diskussionen zum Ärzteeinkommen nicht beteiligt, da Kinder- und Allgemeinärzte nicht durch hohe Einkommen betroffen sind.

News aus dem Parlament: Gründung einer parlamentarischen Gruppe für Kinder- und Jugendmedizin
Die parlamentarische Gruppe für Kinder- und Jugendmedizin wurde am 24. September 2018 gegründet, mit dem Ziel, die besonderen Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen wahrzunehmen. Die Gruppe strebt drei Hauptziele an: Die Betreuung landesweit gewährleisten, die Kinder- und Jugendmedizin fördern und deren Finanzierung sichern. Es wird erwartet, dass die spezifischen Probleme der Kinder- und Jugendmedizin durch die Politik in Zukunft besser berücksichtigt wird.

Ambulanter Tarif und Verhandlungen
Nach über zwei Jahren Arbeit wurde die neue Tarifstruktur für ambulante Leistungen durch die FMH und die Firma ats-tsm AG (Arzttarif Schweiz) verabschiedet. Letztere umfasst derzeit Vertreter der FMH, der Versicherer curafutura und der MTK (Medizinaltarif-Kommission UVG). Die neue Tarifstruktur ist unter  http://leistungsstruktur-ambulant.ats-tms.ch einsehbar.
Verhandlung sind im Gange, um die Verrechnungsregeln im Detail durchzusehen (Regeln betreffend Limitationen und Kumulierung). Es kommt für die Tarifpartner nicht in Frage, einen Tarif ohne Regeln zu bestätigen. Die SGP sucht aus diesem Grund ein Einvernehmen mit Limitationen, die aus ärztlicher Sicht akzeptabel sind und nicht einer versteckten Rationierung der Betreuung der Patienten gleichkommt.
Die Tarifstruktur sollte im Verlaufe des Frühlings endgültig bereitliegen und dem Bundesrat unterbreitet werden. Die wichtigsten Änderungen für den Pädiater sind:
– Eine vereinfachte Nomenklatur
– Die Streichung des Zuschlags für Hausärzte (provisorische Verfügung des Bundesrates)
– Verrechnung der meisten Leistung auf Minutenbasis (die Halbierung der letzten fünf Sitzungsminuten wird abgeschafft)
– Pädiatrische Vorsorgeuntersuchungen die mit weiteren Leistungen (z.B. Radiologie- oder Laboruntersuchungen, Kinderzuschlag) kumulierbar sind
– Verrechenbare Leistungen durch die Praxisassistentin
– Kinderzuschlag verlängert bis 12-jährig
Weitere Punkte werden noch diskutiert und können hier nicht veröffentlicht werden.

Perspektiven für 2019
Die Arzttarife verbleiben 2019 unverändert, d.h. im Rahmen des KVGs gilt der Tarif 1.09_BR und im Rahmen von UVG, IV und MV (Unfall-, Invaliden- und Militärversicherung) der Tarif 1.08_BR.
Der Verwaltungsrat von ats-tms AG wird im Frühjahr 2019 über die endgültige Tarifstruktur abstimmen, die Ärzteschaft ihrerseits wird anlässlich der ausserordentlichen Delegiertenversammlung vom 8. Mai 2019 und der Ärztekammer vom 9. Mai 2019 Stellung beziehen. Die SGP unterstützt den neuen Tarif.
Der neue ambulante Tarif könnte damit möglicherweise, nachdem das Projekt dem Bundesrat unterbreitet wurde, am 1.1.2020 in Kraft treten.
Sollte das Inkrafttreten dieses von der Ärzteschaft vorgeschlagenen und mit den Tarifpartnern verhandelten Tarifs scheitern, drohen die Schatten eines Gesamtbudgets im ambulanten Bereich und von Pauschalen pro Patient.